Auf Herz und Nieren



Immer mehr Unternehmen setzen auf Assessment Center, um sich die am besten geeigneten Kandidaten unter den Bewerbern auszusuchen. Wie sie ablaufen – und wie ihr euch darauf vorbereiten könnt.

von Sven Schneider


Worum es geht


Bei einem Assessment Center (AC) werden Bewerber auf Herz und Nieren geprüft und bewusst Tests und Stresssituationen ausgesetzt. Die Personalverantwortlichen beobachten und bewerten dabei, wie die Kandidaten Aufgaben lösen, aber vor allem auch, wie sie im Team funktionieren. Denn Zweifel zur fachlichen Qualifikation bestehen nicht mehr, da die Bewerber diese durch die normale Bewerbung ja schon nachgewiesen haben. Vielmehr wird darüber hinaus bewertet, wie die Kandidaten zur Position oder dem Unternehmen passen.


Wie ein Assessment Center abläuft


Keine zwei AC sind gleich – das liegt allein schon in den unterschiedlichen Anforderungen der Unternehmen selbst und welche Reaktionen und Resultate ihnen wichtig sind. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten. Die Bewerber erwarten Einzelübungen ebenso wie Partner- oder Teamaufgaben. Zu den Einzelübungen zählen Präsentationen und vor allem bei Jobs im Organisations- und Verwaltungsbereich sogenannte Postkorbübungen. Hierbei müssen Bewerber in einer vorgegebenen Zeit verschiedene Aufgaben aus dem Posteingangskorb eines x-beliebigen Mitarbeiters erledigen. Die Personalverantwortlichen wollen damit sehen, wie die Kandidaten die unterschiedlichen Aufgaben gewichten und Entscheidungen treffen, ohne dass es zu Terminkonflikten kommt. Partnerübungen werden nicht selten über Diskussionsrunden bewältigt, hier stehen eher logische und kommunikative Aspekte im Vordergrund. Gruppenübungen wiederum dienen der Beurteilung der Kandidaten, im Team zusammen zu arbeiten und sich dabei zu behaupten.


Vorbereitung in Eigenregie


Zu einem AC gehört in der Regel auch immer eine Selbstpräsentation. Damit wollen sich die Unternehmen einen persönlichen Eindruck des Kandidaten machen. Umso wichtiger ist es, sich nicht zu verstellen – Personaler merken das eh. Und eine gewisse Nervosität ist nicht schlimm. Um souveräner zu werden, haltet einfach vor Freunden oder der Familie eine Selbstpräsentation von unterschiedlicher Dauer von einer bis zehn Minuten. Wer ihr seid, was ihr könnt,
warum ihr den Job wollt und was euch dafür prädestiniert. euer „Publikum“ sollte euch dann ein neutrales Feedback geben, wie ihr rübergekommen seid und wo es hakt. Nur dann könnt ihr an Euren Schwächen arbeiten.


Vorbereitung mit fremder Hilfe


Zahlreiche private Dienstleister, aber auch die Volkshochschulen bieten Vorbereitungskurse an. Laut der Stiftung Warentest, die vor ein paar Jahren die entsprechenden Angebot prüfte, gibt es dabei keine qualitativen Unterschiede. Bei der Auswahl eines Kurses sollten Teilnehmer darauf achten, dass jeder die Möglichkeit hat, sich den Aufgaben zu stellen und nicht einige aus der Gruppe sie beispielhaft für alle vormachen. Dabei sollten die Prüfungsbedingungen eingehalten und die Aufgaben in einer bestimmten Zeit gelöst werden. Nur so bekommen Jobsuchende eine realistische Einschätzung ihrer Stärken und Defizite und wissen, woran sie weiter üben müssen. Zusätzlicher Tipp: Manche größeren Unternehmen oder Behörden bieten auf ihren Internetseiten im Bereich „Karriere“ Übungen zur Vorbereitung auf ein AC an. Auch bei YouTube gibt es zahlreiche Tutorials. Wer suchet, der findet – es lohnt sich.


Mit Fragen rechnen


Ein AC ist nicht dafür angelegt, den Kandidaten mit Fragen zum Unternehmen zu löchern. Dafür ist das Bewerbungsgespräch da. Aber ausgeschlossen sind Fragen zu Struktur, Geschichte oder Leitung des Unternehmens nicht – und wer sich nicht schon im Rahmen der Bewerbung damit auseinandergesetzt hat, sollte das schleunigst nach der Einladung zum AC tun.


Wo die Infos liegen


Das Internet spielt euch in die Karten. Nahezu jeder Betrieb hat eine Webpage, auf der er sich vorstellt. Die meisten Firmen präsentieren sich zudem in sozialen Netzwerken wie Facebook, wo man einfach mal reinschauen sollte, um zu sehen, was gerade im jeweiligen Unternehmen wichtig ist. Es schadet auch nicht, private Quellen anzuzapfen: Vielleicht kennt ihr ja jemanden, der im jeweiligen Betrieb arbeitet und der euch ein paar zusätzliche Infos liefern kann. Oder aber ihr ruft den Personalverantwortlichen mal an und fragt nach, welche Aufgaben oder Tests so auf euch zukommen. Damit zeigt ihr zudem zusätzliches Interesse an Job und Firma.


Interessiert? Hier steht das komplette Dokument zum Nachlesen zur Verfügung.

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