Praxisluft schnuppern



Gerade in Studiengängen, die nicht auf einen bestimmten Beruf ausgerichtet sind, sind praktische Erfahrungen wichtig. Wie man es richtig macht.

Von Jennifer Neidhardt


„Und, was willst du mit deinem Studium einmal machen?“
Diese und ähnliche Fragen dürften die meisten Studenten schon einmal gehört haben. Der Sprung vom Studium in den Beruf ist für viele eine große Herausforderung. Insbesondere der erste Einstieg in die Arbeitswelt durch Praktika und studentische Nebenjobs erweist sich oft schwieriger als erwartet. „Wie soll ich praktische Erfahrung sammeln, wenn diese immer schon vorausgesetzt werden?“, hört man Studierende immer wieder klagen. Dabei kann gerade die Studienzeit genutzt werden, um sich Kernkompetenzen anzueignen.


Mediziner und Juristen haben es leichter


Das größte Problem bei der Berufswahl ist für viele Studenten die mangelnde Orientierung. „Man kann Tendenzen für die einzelnen Fakultäten und Fächer diagnostizieren“, sagt Ilke Kaymak, Beraterin beim Career Service der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. „Ich sehe zum Beispiel, dass in der medizinischen und juristischen Fakultät das Problem weniger besteht, weil dort von Anfang an deutliche Berufsbilder bestehen. In den anderen Fakultäten ist das schon anders. Gerade in der philosophischen Fakultät ist das etwas schwieriger, weil dort nur sehr schwer klare Berufsbilder zu finden sind.“ Dieser Nachteil kann jedoch auch zu einem Vorteil werden: So haben Studierende die Möglichkeit, sich nicht von Anfang an auf ein spezifisches Berufsbild festzulegen, sondern sich ausführlich während ihrer Studienzeit zu orientieren und verschiedene Berufsgruppen kennenzulernen. Das funktioniert nicht nur über Praktika.


Nebenjob passend zum Studium suchen


Eine gute Alternative sind studentische Nebenjobs. Wer hier geschickt auswählt, kann damit nicht nur seine Miete finanzieren, sondern tut auch noch etwas für seinen Lebenslauf. Damit man also nicht gleich den erstbesten Job annimmt, der sich einem bietet, sollte man nicht planlos vorgehen. „Man sollte sich erst mal informieren, was es überhaupt alles für Tätigkeiten gibt und was in den einzelnen Berufen von einem verlangt wird“, rät Ilke Kaymak. Über die Websites der potenziellen Arbeitgeber erfährt man bereits viel über die ausgeschriebene Stelle. Auch ein Anruf vor der Bewerbung kann klären, ob der Job zum Studiengangprofil passt. „Auch in den Unibibliotheken gibt es Informationen zu spezifischen Berufsbildern“, so Kaymak.


Erfahrung sammeln und Gutes tun


Wer nicht darauf angewiesen ist, mit praktischer Erfahrung Geld zu verdienen – etwa weil das Studium per BAföG oder Stipendium finanziert wird – kann über ehrenamtliche Arbeit nachdenken. Die Bandbreite der Jobs ist riesig: von der Mitarbeit in sozialen Einrichtungen, über mehrmonatige Arbeit als Englischlehrer in Südamerika bis zum Nachhilfeunterricht im Kinderheim vor Ort. „Viele berufspraktische Aktivitäten kann man auch mit Organisationen auf dem Campus verbinden, zum Beispiel in der Fachschaft, dem AStA, oder Zeitungs- und Radiogruppen der Hochschule. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man sich frühzeitig Gedanken macht und sich frühzeitig engagiert. Ideal wäre es natürlich, das Gelernte aus dem Studium auf irgendeine Art in der Praxis anwenden zu können“, sagt Kaymak.


Eigene Stärken und Schwächen kennenlernen


Die praktische Erfahrung kann als eine Schlüsselqualifikation im Lebenslauf gelten. Denn längst werden dort auch Nebenjobs, ehrenamtliche Aktivitäten und Schlüsselkompetenzen wie etwa Sprach- oder Softwarekenntnisse aufgelistet. Auch Workshops und berufspraktische Seminare an der eigenen Hochschule können unter dem Punkt „Weiterbildung“ angeführt werden. Wichtig ist nur, sich rechtzeitig über diese Möglichkeiten bewusst zu werden. „Man muss seine eigenen Stärken und Schwächen herausfinden“, rät Kaymak: „Da geht es vor allem auch darum, wie man sein Wissen und Können am besten in der Praxis umsetzen kann. Man sollte eine Tätigkeit finden, bei der man gerne seine ganze Tatkraft einsetzen möchte. Immerhin verbringt man auch viel Zeit auf der Arbeit und diese sollte man auch genießen.“

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