OHNE ABI AN DIE UNI



Wenn in der Schule nach der neunten Klasse Schluss ist, scheint eine akademische Karriere in weiter Ferne. Dabei kommt man auch ohne Abitur zum Hochschulabschluss.

Von Mona Contzen


Wer sein Abitur in der Tasche hat, kann erstmal aufatmen: Alle beruflichen Möglichkeiten stehen dem Abiturienten offen. Doch auch mit einem anderen Schulabschluss ist noch nichts verloren. Immer mehr Menschen studieren ohne Abitur – die meisten von ihnen in Nordrhein-Westfalen: Allein zum Wintersemester 2014/15 haben hier mehr als 1200 Erstsemester mit ihrer beruflichen Qualifikation ein Studium begonnen. Die Möglichkeit, ohne Abi zu studieren, gibt es in allen Bundesländern. Die Zugangsvoraussetzungen aber variieren. Vor allem NRW bemüht sich dabei, es den Bewerbern nicht allzu schwer zu machen. Grundsätzlich gibt es hier drei Wege vom Beruf in die Hochschule:

„Meister oder vergleichbar Qualifizierte – also mit Berufsausbildung und Aufstiegsfortbildung – können direkt ins Studium durchstarten. Denn durch die bereits erworbenen Qualifikationen besteht ohne jede vorherige Prüfung der direkte Zugang zu allen Studiengängen an sämtlichen Universitäten und Fachhochschulen in NRW“, schreibt das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung. Dies gilt sogar für Studiengänge, die durch einen örtlichen Numerus clausus (Nc) zulassungsbeschränkt sind – hier halten Hochschulen eine begrenzte Anzahl an Plätzen für Meister bereit.

„Studierwillige, die eine mindestens zweijährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und mindestens drei Jahre in ihrem erlernten Beruf tätig waren, können direkt und ohne Zugangsprüfung Studiengänge beginnen, die fachlich ihrer Ausbildung und Berufspraxis entsprechen“, so das Ministerium. Während in Nordrhein-Westfalen also zum Beispiel ein Elektriker ohne Probleme Elektrotechnik studieren kann, ist ein sogenanntes Eignungsfeststellungsverfahren (Zugangsprüfung oder Probestudium) in den meisten anderen Bundesländern Pflicht. In NRW bilden nur Nc-Studiengänge eine Ausnahme: Für diese muss grundsätzlich eine Zugangsprüfung abgelegt werden, mit der man sich dann um einen Studienplatz bewerben kann. Die Bewerbungsfrist dafür endet je nach Studienbeginn
am 1. April bzw. 1. Oktober.

„Mit einer abgeschlossenen, mindestens zweijährigen Ausbildung und drei Jahren Berufspraxis, können Studieninteressierte ohne Hochschulreife auch Fächer studieren, die nicht ihrem bisherigen Berufsweg entsprechen. Dies gilt auch, wenn sie nach der Ausbildung Kinder erzogen oder einen Angehörigen gepflegt haben. Diese Zeit wird als Berufspraxis anerkannt. Mit diesen Qualifikationen haben sie die Wahl zwischen einem Probestudium oder einer Zugangsprüfung an der jeweiligen Hochschule“, informiert das NRW-Ministerium. Das Probestudium ist dabei auf eine festgelegte Semesterzahl begrenzt, in der bestimmte Studienleistungen erbracht werden müssen. War die Probe erfolgreich, werden alle Leistungen anerkannt und das Studium geht „normal“ weiter – andernfalls ist die Hochschulkarriere an diesem Punkt beendet. Bei zulassungsbeschränkten Studiengängen gibt es diese Möglichkeit nicht: Weil es in diesen Fällen mehr Bewerber als Studienplätze gibt, wird für das Vergabeverfahren eine Note benötigt, die Nicht-Abiturienten nur über die Zugangsprüfung erhalten.

Die drei Varianten, mit denen man auch ohne Abi an die Uni kommt, ermöglichen ein Bachelorstudium an den Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen in der Trägerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen – private Hochschulen dürfen höhere Anforderungen stellen.


WEITERE INFORMATIONEN


Beim ServiceCenter der NRW-Landesregierung können sich Interessierte darüber informieren, was sie mit ihrer beruflichen Qualifikation studieren können: Tel. 0211/8371906,
nrwdirekt@nrw.de

Eine Auflistung der Fortbildungsabschlüsse, die eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung beinhalten, findet sich unter dem Suchbegriff „Fortbildungsordnungen“ auf
www.bibb.de/datenreport

Da die Bewerbung für ein Studium direkt bei der Hochschule erfolgt, sollte man sich von der Studienberatung der Wunschhochschule beraten lassen. Alle Studienfächer, Hochschulen und deren Beratungsstellen in Deutschland gibt es unter
www.hochschulkompass.de und
www.studienwahl.de

Länderspezifische Informationen rund um das Studium ohne Abitur stellt der Online-Studienführer
www.studieren-ohne-abitur.de bereit.

Auf der Seite des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gibt es ein FAQ zum Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber: www.wissenschaft.nrw.de


SONDERFÄLLE

Je nach Studiengang müssen weitere Zugangsvoraussetzungen erfüllt werden. Dies können zum Beispiel Sprachkenntnisse für einen fremdsprachigen Studiengang sein. Auch bei Kunst-, Musik- und Sportstudiengängen wird häufig eine entsprechende Vorbildung verlangt.

Bei den Fächern Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie sollten auch Meister und fachtreue Bewerber eine Zugangsprüfung ablegen, um ihre Chancen auf einen Studienplatz zu erhöhen. So können sie sich mit
der Note der Zugangsprüfung um einen Studienplatz bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen bewerben. Andernfalls gilt die Durchschnittsnote 4,0.

Interessiert? Hier steht das komplette Dokument zum Nachlesen zur Verfügung.

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