Keine leichte Wahl: Uni oder FH?



Früher vermittelten Universitäten nur Theorie, Fachhochschulen vor allem Praxis. So einfach ist es heute nicht mehr. Worin sich die Hochschulformen wirklich unterscheiden

Von Jennifer Neidhardt


Lange Zeit galt die Fachhochschule als kleine Schwester der Universität. So genossen ihre Absolventen zwar eine Ausbildung mit Praxisbezug, hatten später allerdings wegen mangelnden Fachwissens im Berufsleben schlechtere Chancen. Die Universität sollte hingegen rein theoretische Inhalte vermitteln – dass dem allerdings längst nicht mehr so ist, zeigen zahlreiche Studien. Die Grenzen zwischen universitärem und Fachhochschulabschluss verschwimmen zunehmend, manche Betriebe bevorzugen sogar FH-Absolventen aufgrund ihrer praktischen Erfahrung, die den Studierenden der Universität oft noch fehlt. Doch man setzt auch inzwischen häufiger auf Praktika und Workshops neben dem regulären Studienplan. Doris Hermann, Geschäftsführerin der Akkreditierungsagentur AQAS in Bonn sagt: „Vor allem in den Geisteswissenschaften ist eine Veränderung deutlich spürbar. Praktika werden stärker in die Stundenpläne integriert.“ Macht es also überhaupt noch einen Unterschied, ob man an der Universität oder einer Fachhochschule studiert? Ein Überblick.


Universitäten sind nach wie vor die beliebtesten weiterführenden Bildungseinrichtungen. Im Vergleich zu anderen Hochschulen besteht hier ein breites Angebot in allen Fachrichtungen.


Mehr Freiheit beim Stundenplan


Seit der Einführung des Bachelor- und Mastersystems ist die Studiengestaltung um einiges straffer geworden, damit mehr Lernstoff in kürzerer Zeit vermittelt wird. Allerdings genießen die Studenten eine größere Freiheit in der Gestaltung ihres Stundenplans: Anders als in der stark verschulten Fachhochschule können Studierende an der Universität ihre Zeit selbstständiger einteilen und ihren Studienfokus abgesehen von allgemeinen Grundkursen selbst bestimmen. Während des Masterstudiums kann dieser Fokus noch vertieft werden.


Praxisbezug ist noch ausbaufähig


Allerdings haben viele Studenten trotz der Zunahme an praktischen Angeboten immer noch Bedarf an weiteren berufspraktischen Erfahrungen. „Der Praxisbezug ist erst da, wenn man sich selbstständig darum kümmert“, beschwert sich Sylvana Hiltrop, Studentin der Medienwissenschaft: „Der größte Teil der Studenten wird bei uns nicht genügend in die vorhandenen Angebote eingebunden.“ Auch Sandra Caris, Masterstudentin im Bereich Japanologie, fehlt oft der praktische Bezug in ihrem Studium: „Im Bachelor gab es keinerlei praktische Angebote. Im Master gab es endlich etwas Praxisbezug im Bereich der Übersetzung, aber es ist immer noch viel zu wenig.“


Lernen aus eigenem Antrieb


Wer also beschließt, an einer Universität zu studieren, sollte sich vorher darüber bewusst sein, dass für ein solches Studium vor allem die persönliche Motivation und das Interesse am besseren Kennenlernen eines Fachgebietes im Vordergrund stehen muss.


Fachhochschulen sind im Vergleich zu Universitäten auch heute noch praxisbezogener. Wer eine akademische Karriere anstrebt oder in Erwägung zieht, einen Doktortitel zu machen, wird dort schlecht aufgehoben sein. Wem jedoch´das praktische Arbeiten mehr liegt als das stundenlange Schmökern in der Bibliothek, für den bietet sich ein solches Studium an.


Verschultes Lehrprogramm


Für ein Studium an der Fachhochschule ist keine allgemeine Hochschulreife nötig, das Fachabitur oder eine Ausbildung mit genug Berufserfahrung sind hier in der Regel ausreichend. Im Gegensatz zur Universität ist der Studienablauf streng verschult, mit festen Stundenplänen und einem vorgegebenen Lehrbetrieb. So lernen die Studenten zwar weniger selbstbestimmt, allerdings wird ihnen auch der Druck genommen, das gesamte Studium und zusätzliche Praktika selbst zu organisieren. Ob dies nun als Vor- oder Nachteil anzusehen ist, ist ganz von den persönlichen Präferenzen abhängig.


Gute Vernetzung mit Unternehmen


Oft besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen Fachhochschulen und ortsansässigen Unternehmen, sodass eine spätere Übernahme leichter fällt. Auch Praktika sind ein fester Bestandteil des Studienplans. Die Auswahl der Fachbereiche ist hier allerdings um einiges eingeschränkter. Angehende Lehrer, Juristen und Ärzte haben beispielsweise keine Möglichkeit, die Grundlagen für diese Berufe außerhalb einer universitären Einrichtung zu lernen.

Beraten lassen!

Die Frage, ob sich ein Studium an der Universität oder Fachhochschule lohnt, ist also vor allem abhängig von persönlichen Idealen und Zielen. Wer sich immer noch nicht sicher ist, was für ihn die richtige Wahl ist, hat die Möglichkeit, diverse Beratungsgespräche in Anspruch zu nehmen – beispielsweise am Tag der offenen Tür oder bei der Studierendenberatung der jeweiligen Einrichtung.

Interessiert? Hier steht das komplette Dokument zum Nachlesen zur Verfügung.

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