Abenteuer Auslandssemester



Eine andere Kultur erleben, Menschen verschiedenster Herkunft begegnen, sich in einer fremden Sprache behaupten – ein Auslandssemester hat viele Reize.

Von Christine Holhoff


Etwa jeder dritte Student verbringt einen Teil seiner Hochschulzeit in der Ferne. Was manchem zunächst als Zeitverlust erscheinen mag, ist in Wirklichkeit ein doppelter Gewinn. Denn ein Auslandssemester bringt einen nicht nur persönlich weiter, sondern macht sich auch gut im Lebenslauf. Bevor es losgehen kann, gibt es jedoch einiges zu beachten.


Wo soll es hingehen?


Vielleicht hat der ein oder andere schon ein Land im Hinterkopf, weil man sich ohnehin für eine bestimmte Sprache oder Kultur begeistert, vielleicht auch nur den diffusen Wunsch, einfach mal etwas Neues zu erleben. Bevor letztendlich die Entscheidung für eine Hochschule fällt, sollte man sich  edoch eines klarmachen: Was erwartet man eigentlich von seinem Auslandsaufenthalt?

Soll das Fächerangebot möglichst ähnlich sein, damit man sich viele Kurse anrechnen lassen kann? Oder möchte man lieber über den Tellerrand schauen und etwas für den Wahlpflichtbereich tun? Sollen auch Prüfungen angerechnet werden? Oder gibt es irgendwo sogar die Möglichkeit, Zusatzqualifikationen zu erwerben?

Wer diese Fragen beantwortet hat, kann sich auf die Suche nach einer Hochschule machen, die den eigenen Ansprüchen genügt – zum Beispiel, indem man Erfahrungsberichte anderer Studenten liest, Rankings konsultiert oder sich von der eigenen Auslandsstudienberatung helfen lässt. Die Vorbereitung sollte etwa ein Jahr vor der großen Reise beginnen.


Mit einem Programm oder auf eigene Faust?


Der bequemste Weg ins Ausland führt über ein Austauschprogramm. Am bekanntesten ist „Erasmus“, ein Programm der Europäischen Union, das Aufenthalte ab drei Monaten in der EU sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und der Türkei fördert. Mit „Erasmus Mundus“ kommen Masterstudenten und Doktoranden zudem auch in Länder außerhalb Europas. Die Teilnahme am Erasmus-Programm ist nicht nur deshalb komfortabel, weil die organisatorischen Abläufe zwischen der eigenen Hochschule und jener im Ausland eingespielt sind. Ein wichtiger Bestandteil des Programms ist es auch, dass Studienleistungen im Ausland anerkannt werden. Die meisten Hochschulen verfügen darüber hinaus über weitere eigene Austauschprogramme.

Wer im Angebot der Hochschule nicht das passende Ziel findet, kann auch als sogenannter Free Mover im Ausland studieren. Hierbei sucht man sich frei eine Uni irgendwo auf der Welt aus, muss aber auch entsprechend mehr Eigeninitiative zeigen. Wer den größeren organisatorischen Aufwand nicht scheut, kann auf diese Weise zu seinem Traumaufenthalt kommen.


Wann ist der beste Zeitpunkt?


Wann man ins Ausland gehen sollte, hängt vor allem vom Studiengang ab. Wen es während des Bachelors in die Ferne zieht, für den kommen in der Regel das fünfte oder sechste Semester infrage, bei Diplomstudiengängen eignen sich das siebte oder achte Semester. Auch im Master kann man einen Auslandsaufenthalt einschieben – seit kurzem sogar selbst dann mit dem Programm „Erasmus“, wenn man ebenjenes schon im Bachelor genutzt hat.

Die große Mehrheit der Studenten verbringt nicht mehr als ein Semester im Ausland. Man kann aber auch doppelt so lange bleiben – und dort zum Beispiel noch seine Bachelorarbeit schreiben. Wer nur ein Semester plant, sollte sich entscheiden: entweder wissenschaftlich arbeiten oder Veranstaltungen besuchen.


Wie finanziere ich das Studium im Ausland?


Die Kosten für ein Semester im Ausland variieren stark je nach Zielland. Doch selbst wer kein Vermögen angespart hat oder nicht auf Unterstützung durch die Eltern hoffen darf, braucht nicht zu verzweifeln. Denn finanzielle Hilfen gibt es viele. Eine der wichtigsten ist das Auslands Bafög: Es wird für Aufenthalte vergeben, die mindestens sechs Monate dauern; die Höhe hängt unter anderem vom Land und vom Einkommen der Eltern ab. Übrigens: Auch wer beim herkömmlichen BAföG leer ausgeht, sollte die Förderung fürs Ausland beantragen – die Chance, sie zu bekommen, ist deutlich größer. Und: Auslands- Bafög muss nicht zurückgezahlt werden.

Ist man mit dem Erasmus-Programm unterwegs, erhält man ein Stipendium von bis zu 500 Euro pro Monat sowie eine Reisekostenpauschale. Auch hier ist die Höhe abhängig vom Land, in dem man studiert. Das Erasmus-Stipendium wird nicht auf das Auslands-Bafög angerechnet.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Stipendien – etwa von der eigenen Hochschule, den Partneruniversitäten, den Zielländern oder von Stiftungen, die Studenten bestimmter Fachrichtungen unterstützen. Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt eine Reihe von Stipendien, unter anderem das Promos-Stipendium für Auslandssemester ab sechs Monaten, bei dem der Aufenthalt mit etwas über 300 Euro pro Monat und einer Reisekostenpauschale bezuschusst wird. Eine Förderung speziell für die USA mit ihren hohen Studiengebühren vergibt die Fulbright-Kommission.


Wie sieht es mit Versicherungen aus?


Wer in einem anderen EU-Land studiert, muss sich wenig Gedanken machen. Die normale Krankenversicherungskarte wird auch dort akzeptiert. Eine gesonderte Auslandsversicherung würde allerdings noch weitere Leistungen abdecken – wie zum Beispiel einen medizinisch notwendigen Rücktransport. Für Länder außerhalb Europas ist die Auslandsreise Krankenversicherung hingegen angeraten, da die heimischen Krankenkassen dort keine Kosten für Behandlungen übernehmen. Ausgenommen sind hier Tunesien und die Türkei, wo man einen Auslandskrankenschein verwenden kann. Wer nach Asien, Afrika oder Lateinamerika reist, sollte sich zudem informieren, welche Impfungen nötig werden. Einen guten Überblick dazu bietet die Webseite des Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de

Interessiert? Hier steht das komplette Dokument zum Nachlesen zur Verfügung.

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