SO KLAPPT DAS BEWERBUNGSGESPRÄCH



Die Einladung zum Bewerbungsgespräch ist die letzte Hürde. Aber eine mit Tücken.
Wie man sie besteht. Vorsicht: Es gibt keine zweite Chance für einen guten Eindruck

Von Sven Schneider


Die Vorbereitung


Über die Notwendigkeit, sich vor einer Bewerbung über den künftigen Ausbildungsbetrieb zu informieren, haben wir an anderer Stelle im Heft schon berichtet. Das gilt auch für das Bewerbungsgespräch. Denn hier bietet sich den Personalverantwortlichen die Möglichkeit, das Wissen der Kandidaten im direkten Gespräch zu testen. Und sie werden es tun. Hier werden noch mal die Angaben in der Bewerbung (Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnisse) überprüft – wer hier also stammelt oder keine Begründungen für Lücken oder fehlerhafte Angaben liefern kann, verschlechtert seine Chancen enorm. Deswegen: Lieber vorher noch einmal durcharbeiten.


Das Auftreten


Pünktlichkeit ist das Wichtigste. Lieber eine halbe Stunde vorher da sein, und zur Not dafür auch eine frühere Bahn- oder Busverbindung nehmen oder eher mit dem Auto losfahren. Im Gespräch selbst seine eigene Jugendsprache vermeiden: Mit höflichen und seriösen Formulierungen punktet man. Immer daran denken: Der Mensch vor einem ist nicht der beste Kumpel. Und dezent auftreten. Wer sich toller darstellt, als er ist, fliegt auf. Personaler wittern diese Art von Übertreibung sofort.


Die Körpersprache


Die eigene Körperhaltung sendet Signale aus und spricht, obwohl man den Mund hält. Das ist gefährlich. Wer sich breitbeinig auf dem Stuhl lümmelt oder in die Gegend schaut, wirkt desinteressiert. Vor der Brust verschränkte Arme sind eine Abwehrhaltung und werden auch so wahrgenommen. Lieber versuchen, locker und aufrecht zu sitzen – und immer den Gesprächspartner anschauen, am besten in die Augen. Wer das nicht will, konzentriert sich auf einen Punkt über der Nase oder auf der Stirn. Und bloß nicht hektisch in der Gegend rumfuchteln: Derlei Gesten signalisieren, der Situation nicht gewachsen zu sein.


Die Fragen


Üblicherweise versuchen Personalverantwortliche, eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Sie haben den Bewerber ja nicht grundlos eingeladen und wollen ihn kennenlernen. Das hindert die wenigsten aber daran, einige für den Kandidaten fiese Fragen zu stellen. Darauf muss sich jeder vorbereiten. Kommt beispielsweise die Frage nach
den persönlichen Schwächen, sollte man ehrlich antworten. Aber intelligent: Wer sich als Handwerker bewirbt und keinen Nagel in die Wand kriegt, sollte nicht diese Schwächenennen sondern lieber eine, die mit dem angestrebten Beruf so gut wie nichts zu tun hat.


Schlechte Antworten


Manche Sätze, die man vielleicht im Alltag nutzt, fordern
unangenehme Gegenfragen eines Personalers förmlich
heraus. Hier ein paar Beispiele:

„Ehrlich gesagt,…“
(Gegenfrage: „Waren Sie bislang nicht ehrlich?“)
„Jetzt mal im Ernst …“
(Gegenfrage: „War bisher alles nur ein Spaß für Sie?“)
„Wenn Sie mich fragen, …“
(Gegenfrage: „Natürlich, wen denn sonst?“)
„Da gab es mal …“
(Gegenfrage: „Erzählen Sie gerne Märchen?“)
„Ich bin mir ziemlich sicher, …“
(Gegenfrage: „Was denn jetzt, sind Sie sich sicher oder nicht?“)
„Ich organisiere halt gerne.“
(Gegenfrage: „Was denn zum Beispiel?“)

Personaler sind Profis und achten auf solche leeren Phrasen. Gegenfragen sind dann ein beliebtes Mittel, um den
Kandidaten unter Druck zu setzen und zu sehen, wie er mit dieser Situation klarkommt. Also lieber darauf verzichten.


Der Schluss


Am Ende eines Gespräches folgt in der Regel noch die Frage des Personalverantwortlichen, ob man seinerseits noch eine Frage hat. Dies ist der letzte Test, zu Ende ist das Gespräch nämlich noch lange nicht – auch, wenn es so scheint. Wer hier mit „Nein“ antwortet, zeigt, dass er froh ist, die Situation hinter sich gebracht zu haben. Ein schlechtes und schwaches Zeichen. Besser ist, tatsächlich noch Fragen zu haben zu Dingen, die vielleicht noch nicht im Gespräch gefallen sind. Man könnte sich nach den kommenden Zielen der Firma erkundigen, die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten im Betrieb ausloten oder die Möglichkeit von Seminaren oder Weiterbildungsmaßnahmen erfragen. Das zeigt Engagement und Interesse – was bei einer engen Auswahl zwischen zwei Bewerbern den Ausschlag geben kann.


Das Outfit und Erscheinungsbild


Mädchen sollten auf auffälliges Make-up oder Styling sowie auf zu viel oder zu großen Schmuck verzichten. Wer aussieht wie ein Weihnachtsbaum, hat schlechte Karten. Hier ist weniger mehr. Auch die Frisur kann wichtig sein: Zu extravagante Frisuren wie Dreadlocks oder Irokesenschnitte werden in der Regel nicht gerne gesehen. Freizeitklamotten wie Sneaker, Jogginghosen oder Shirts sowie Lederkutten im Metal und Gothic-Style gehen gar nicht, ebenso bauchfreie Tops und Miniröcke. Besser: Sakko für die Jungs, Blazer für die Mädels. Dazu Stoffhose oder Rock (mindestens Knielänge!). Blusen und Hemden sollten sauber und knitterfrei sein, die Schuhe gepflegt. Bei Banken und Versicherungen gilt ein anderer Dresscode mit Anzug und Krawatte.


Wissen ist Macht

Wer sich im Vorfeld mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat, zeigt dem Personaler, dass er es ernst meint.

Diese Dinge sollte man wissen: Besonders wichtig ist, dass man eine Vorstellung hat von der Größe und Entwicklung des Unternehmens, seinen Produkten oder Dienstleistungen und seiner Zielgruppe, inklusive ein paar Namen und Eckdaten. Auch einige Gedanken zur Firmenphilosophie, so sie denn existiert, kann man sich vorab zurechtlegen.

Womit man rechnen muss: Es kann vorkommen, dass Personaler Fragen zu Struktur, Geschichte und Leitung des Unternehmens stellen. Wer bei solch simplen Dingen versagt, hinterlässt keinen guten ersten Eindruck.

Infos leicht gemacht: Der einfachste Weg, um an Informationen zur Firma zu kommen, ist ein Blick auf die Homepage oder den Facebook-Auftritt. Außerdem kann man in Werbebroschüren und Presseberichten recherchieren. Wer schon einen Mitarbeiter der Firma persönlich kennt, sollte ihn ausgiebig erzählen lassen.

Falls man trotz aller Vorbereitung mal auf dem Schlauch steht: Ehrlich sagen, dass man nervös ist, weil man sehr gern für das Unternehmen arbeiten möchte, dass man gerade einen Moment braucht, um sich zu sammeln. Notfalls auch gerne Fragen stellen und die Nervosität so mit Interesse ausgleichen.

Interessiert? Hier steht das komplette Dokument zum Nachlesen zur Verfügung.

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