DER ERSTE EINDRUCK ZÄHLT:
WAS ES BEI BEWERBUNGSFOTOS ZU BEACHTEN GILT



Bei Bewerbungen fällt oft der erste Blick aufs beigefügte Foto. Dessen Wert sollte daher nicht unterschätzt werden. Das gilt heute mehr denn je: Weil auch in Deutschland immer mehr Bewerbungen online verschickt werden, steigt die Gefahr, unpassende Fotos auszuwählen.

„Online­Bewerbungen verführen dazu, dass man sich am Com­puter die Bilder selbst zurechtschneidet“, sagt Sascha Theisen, Pressesprecher vom Karriereportal StepStone in Düsseldorf. Da werde schon mal ein Urlaubsfoto genommen und mit einem anderen Hintergrund versehen – ein seriöses Bewerbungsfoto sehe anders aus. „Am Profi­Fotografen kommt kein Bewer­ber vorbei“, sagt Theisen. „Mit einem solchen Foto zeigt der Bewerber, dass ihm die Sache ernst ist.“

Bewerbungsfotos gehören für die Fotografin Christine Bloh­mann aus Berlin zum Alltagsgeschäft. Bewerber sollten nicht nur nett gucken, sondern einen freundlich­bestimmten Aus­druck haben, rät sie. Wichtig sei ein offener und direkter Blick, auf keinen Fall solle an der Kamera vorbei geschaut werden. Und das Foto gibt es nicht in zwei Minuten: Bei Christine Bloh­mann kommen die Bewerber gleich mit mehreren Oberteilen und werden vor den Aufnahmen gründlich beraten. Auf Wunsch kommt eine Visagistin hinzu. Etwa eine Dreiviertelstunde dau­ert das Shooting.

Wichtig an den Bildern ist laut der Fotografin, dass das Gesicht im Mittelpunkt steht. Rundherum sollte nicht zuviel Raum sein. Der Hintergrund sollte in der Regel eine neutrale Farbe haben. „Bunte Hintergründe wirken oft niveaulos.“ Die Kleidung der Bewerber hängt von ihrem Wunsch­Job ab. In konventionellen Berufen sollten Männer Hemd, Krawatte und Sakko tragen. Frauen machen mit einem Blazer, dezentem Schmuck, etwas Make­up und ordentlicher Frisur nichts verkehrt.

„Wenn sich ein Mann für einen kreativen Beruf bewirbt und ein Foto im schwarzen Zweireiher mitschickt, kann das natürlich kontraproduktiv sein“, gibt Theisen von StepStone zu bedenken. Der Bewerber sollte bei seiner Kleidung stets im Hinterkopf haben, wie er in seinem Wunsch­Job gekleidet sein müsste. Muss er repräsentieren, arbeitet er ausschließlich im Büro, ist das Umfeld eher konventionell oder flippig?


Es ist jedoch für keinen Beruf sinnvoll, sich in Kleidung mit auf­fallenden Logos oder Prints fotografieren zu lassen. „Das geht gar nicht“, sagt Blohmann, die auch schon mal Kunden mit unpassender Kleidung zum Umziehen nach Hause geschickt hat. Wenn sich Menschen für Jobs in verschiedenen Branchen bewerben, ziehen sie sich während des Fotoshootings um. Sie zeigen sich mal leger und mal konservativ, und das in verschie­denen Posen.

„Bei der Beratung sind manche von ihnen zwar noch misstrau­isch, später bei den Aufnahmen trauen sie sich dann aber doch mehr“, berichtet die Fotografin. Da lässt sich etwa eine Frau mit knallrotem Lippenstift vor einer Wand in der gleichen Farbe ablichten. Ein Mann lässt sein Foto anschneiden, so dass die obere Hälfte der Stirn nicht mehr zu sehen ist. Und eine junge Frau lässt sich nicht wie üblich von schräg vorne, sondern von schräg hinten fotografieren.

Bei kreativen Berufen kommen ungewöhnlichen Fotos gut an, bei einer Bewerbung etwa bei einer Bank sollte jedoch auf das Herkömmliche gesetzt werden. Wichtig ist in jedem Fall eine positive Körpersprache. Der Bewerber sollte aufrecht sitzen, herunter hängende Schultern machen keinen guten Eindruck, sagt Blohmann. Für den gewünschten „freundlich­bestimmten Ausdruck“ sorgt oft der Satz: „Denken sie doch mal an ihren neuen Job, auf den sie sich freuen.“

In Ländern wie Großbritannien ist es unüblich, sich mit Bild zu bewerben. „In Deutschland hat man schlechte Chancen, wenn man kein Bild mitschickt“, ist die Erfahrung von StepStone­Pressesprecher Theisen. Stefanie Baumgärtner aus der Perso­nalabteilung des Konzerns Procter & Gamble in Darmstadt ist da anderer Meinung: „Wir bekommen immer häufiger Online­Bewerbungen, und dabei scheinen die Bewerber ihre Fotos oft zu vergessen.“ Die Chancen der Bewerber würden sich dadurch nicht verändern.

Sie schätzt Fotos dennoch, da sie so einen ersten Eindruck von den Menschen erhält. „Manchmal muss man auch lachen.“ So zum Beispiel wenn ein Bewerber ein Bild schickt, auf dem auch seine Frau und seine beiden Kinder zu sehen sind. Wichtig ist ihr, dass die Bewerber ordentlich gekleidet sind. Das Foto soll­te aktuell, also nicht älter als ein Jahr sein. In welchem Format die Fotos geschickt werden, und ob sie schwarz­weiß oder bunt sind, spielt in der Personalabteilung von Procter & Gamble keine Rolle. Nach der Erfahrung der Fotografin Blohmann sind jedoch Schwarz­Weiß­Fotos mittlerweile wieder out.


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