AUSBILDUNG ODER STUDIUM:
WELCHER WEG IST DER RICHTIGE?



Nach der Schulzeit stehen jungen Menschen viele Wege offen. Das ist einerseits Luxus, überfordert die Schulabgänger aber auch oft.

von Christine Holthoff


Endlich keine Schule mehr! Endlich Freiheit! Endlich …arbeiten? Oder doch lieber studieren? Mit den vielen Möglich-keiten nach dem Schulabschluss ist das so eine Sache. Einer-seits klingt es verlockend, wenn einem die ganze Welt offen zu stehen scheint, andererseits kann einen die große Freiheit aber auch ziemlich überfordern. Die schlechte Nachricht: Die Entscheidung kann einem niemand abnehmen. Die gute: Das eine schließt das andere nicht aus.


DIE AUSGANGSLAGE


Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung gab es im Jahr 2015 rund 330 anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland. Vom Anlagenmechaniker über den Luftverkehrskaufmann bis zur Zweiradmechatronikerin ist die Palette breit gefächert. Einige der Berufe lernen Auszubildende in Betrieb und Berufs-schule, für andere ist allein der Besuch einer Berufsfach schule nötig. Dem gegenüber stehen mehr als 400 Hochschulen
mit einem umfangreichen Angebot an Studiengängen. Eine immense Auswahl also, die zwar große Chancen bietet, aber auch erschlagen kann.


WAS SICH SCHULABGÄNGER FRAGEN SOLLTEN


Für Schulabgänger ist es daher essenziell, sich vor einer Ent-scheidung die richtigen Fragen zu stellen: Was kann ich beson-ders gut? Was macht mir Spaß? Bin ich eher praktisch veranlagt oder liebe ich es, über Texten zu brüten? Wie schnell möchte ich Geld verdienen? „Nur wer seine Begabungen entfalten kann, hat Spaß an der Arbeit und erbringt gute Leistungen. Daher ist es wichtig, dass alle den Weg einschlagen, der zu ihnen und zu ihren Talenten passt“, schreibt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka in der Broschüre „Ausbildung oder Studium? Tipps für Schulabgängerinnen und Schulabgänger“ des Bundes-ministeriums für Bildung und Forschung. Um den richtigen Weg zu erkennen, reiche es aber nicht nur zu wissen, welche Fähig-keiten und Neigungen man hat, auch über die Ausbildungsberu-fe und Studiengänge sollte man sich genau informieren.


DUALE BERUFSAUSBILDUNG


Idealerweise haben Schulabgänger bereits während der Schul-zeit Praxisluft in Betrieben geschnuppert und so womöglich herausgefunden, welche Branche zu ihnen passen könnte. Ist das nicht der Fall oder will man die Entscheidung noch mal überprüfen, lohnt eine Beratung in einem Berufsinformations-zentrum (BIZ) der Bundesagentur für Arbeit. Auf der Internet-seite www.planet-beruf.de kann man zudem einen Berufseig-nungstest absolvieren. Die Mehrzahl der Ausbildungsberufe fällt dabei unter das duale Ausbildungssystem, eine Kombinati-on aus praktischer Lehre im Betrieb und Lernen in der Berufsschule.


Auch wenn sich inzwischen immer mehr junge Leute für ein Studium entscheiden: Die Option Ausbildung sollte man auch mit Abitur nicht gleich abtun. Denn sie ist nicht nur eine solide Basis für die Karriere, sie kommt mittlerweile oft auch mit Extras daher. So werben viele Unternehmen mit Zusatz-qualifikationen, Auslandsaufenthalt oder einer unbefristeten Übernahme. Außerdem startet man mit einer Ausbildung direkt ins Berufsleben und verdient bereits Geld. Auch das Argument, mit einer Ausbildung verdiene man langfristig weniger, stimmt nicht in jedem Fall. Durch zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten können fertig Ausgebildete zum Beispiel zum Meister aufsteigen – besserer Verdienst inklusive.


SCHULISCHE BERUFSAUSBILDUNG


Einige Berufe, etwa im Gesundheits- und Sozialwesen, aber auch Kommunikationsdesigner oder Dolmetscher, werden nicht im Betrieb erlernt, sondern in der Regel im Vollzeitunter-richt an Berufsfachschulen. Hierbei hat man die Wahl zwischen staatlichen Schulen, die meist kostenfrei ausbilden, oder privaten, die eine monatliche Gebühr verlangen. Ein Nachteil bei dieser Art der Ausbildung ist allerdings, dass es keine Vergütung gibt – mit Ausnahme einiger Gesundheitsberufe. Auszubildende können aber Bafög oder einen Bildungskredit des Bundes beantragen.


STUDIUM


Wer einen Beruf anstrebt, für den ein Studium Pflicht ist, oder wer später gerne eine gehobene Funktion bekleiden möchte, hat in Deutschland die Wahl zwischen Universitäten und Fach-hochschulen. Zwar verschwimmen die Grenzen zusehends, doch generell gilt noch immer, dass das Studium an einer Fachhochschule praxisorientierter ist. Beiden Wegen gemein ist, dass sie den Grundstein für ein erfolgreiches Berufsleben legen. Denn Akademiker sind nicht nur wesentlich seltener von Arbeitslosigkeit betroffen, der Studienabschluss verhilft ihnen auch häufig zu einem höheren Verdienst. Allerdings spielt dabei auch die Wahl des Studienfachs eine Rolle. Ein weiterer Vorteil ist, dass man den konkreten Berufswunsch erst im Laufe des Studiums entwickeln muss. Selbst so „eindeutige“ Studiengän-ge wie Medizin oder Jura bieten immer noch genug Spielraum für Spezialisierungen.


DUALES STUDIUM


Wer sich gar nicht entscheiden mag zwischen Ausbildung und Studium, wählt einfach beides – und erwirbt neben dem Bache-lor- auch einen Berufsabschluss. Möglich macht das ein soge-nanntes ausbildungsintegrierendes duales Studium. Alternativ gibt es das praxisintegrierende duale Studium, bei dem zwar kein vollwertiger Berufsabschluss erworben wird, aber längere Praxisphasen in einem Unternehmen festgeschrieben sind.


AUSBILDUNG


Pro

  • Praxisluft

  • Solide Basis

  • Direkt Geld verdienen

  • Aussichten auf Übernahme

  • Contra

  • Relativ niederige Gehaltsaussichten

  • Weniger Raum für Umorientierung

  • STUDIUM


    Pro

  • Aussichten auf gehobene Position

  • Langfristiger Verdienst

  • Offenheit für verschiedene Berufe

  • Geringe Arbeitslosenquote

  • Contra

  • Vorfinanzierung

  • Selbstdisziplin nötig

  • Interessiert? Hier steht das komplette Dokument zum Nachlesen zur Verfügung.

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