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Mit Informationen, speziellen Beratungs- und auch Schulungsmaßnahmen unterstützen viele Unternehmen künftige Azubis auf ihrem Weg in den Beruf

Von Sven Schneider


Caro ist begeistert. Die Schülerin der Abschlussklasse der Heinrich Kämpchen Schule in Bochum steht vor einem Spiegel und traut ihren Augen kaum. Eine andere Person als sonst blickt sie an – fachmännisch geschminkt, adrett und stilvoll gekleidet. Eine junge Frau auf dem Sprung nach oben. Die „Werkstatt Dekorative Kosmetik“ hat sich für sie gelohnt. „Jetzt weiß ich, welche Fehler ich vermeiden sollte“, sagt die Hauptschülerin. Für sie und ihre Mitschülerinnen sei es halt noch ein wenig schwer, die Grundierung korrekt aufzutragen, das passende Make-up für ihren Hauttyp auszuwählen oder sich „smokey eyes“ zu schminken. Alles eine Sache der Übung – und gut, wenn die besten Kniffe aus dem Mund einer Expertin kommen: Nicole Bittner.

Die Beraterin für Aus- und Weiterbildung bei der Drogeriemarkt-Kette dm verfolgt mit diesem Workshop ein ganz bestimmtes Ziel, von dem sowohl die Schüler als auch ihr Arbeitgeber profitieren. „Wir können so den Jugendlichen ein wenig den Beruf Drogist oder Drogistin näherbringen, denn die Beratung in Sachen Kosmetik und die Kommunikation mit den Kunden ist ein wichtiger Punkt des Jobs“, sagt Bittner. Zwar ist der Schminkkurs gerade bei den Mädchen das begehrteste Element des Workshops. Aber auch die generellen Bewerbungstipps, die Bittner anspricht, sind für die Jugendlichen bei ihrer Ausbildungssuche Gold wert. Und wenn alles gut verläuft, hat die Dame von dm bei dem einen oder anderen Schüler auch schon die ersten Wurzeln für die Berufswahl „Drogist“ gelegt. Dass Unternehmen die Schüler schon weit vor der eigentlichen Bewerbungsphase abholen und darauf vorbereiten, ist nicht mehr selten. Vor allem große Unternehmen gehen frühzeitig zu Vorbereitungskursen und Seminaren in die Schulen – am besten immer eingeklinkt in die Berufsvorbereitung, die an den Schulen angeboten wird. „Wir haben mit unseren Kooperationsschulen überlegt, welche Möglichkeiten sich innerhalb der Berufsorientierung anbieten und das bestehende Schulprogramm ergänzen“, sagt Nicole Bittner. Und da die äußerliche Erscheinung von enormer Wichtigkeit in einem Bewerbungsgespräch ist, wurde die Idee mit den Schmink- und Outfit-Kursen geboren. „Das war die richtige Nische für uns“, weiß Bittner. Doch je größer ein Konzern, desto breiter stellt er sich auch bei den Themen Berufsvorbereitung und -beratung auf. Eines der umfangreichsten Programme in dieser Hinsicht bietet die Deutsche Bahn (DB). Auf den Karriereseiten des Konzerns finden sich zahlreiche Angebote für Jugendliche, die vor dieser ersten schwerwiegenden Entscheidung im Leben stehen. Beispielsweise den „Job-Profiler“. Hier lassen sich auf spielerische Art und Weise anhand eines einfachen Tests die eigenen Stärken und Schwächen herausfinden. Am Ende spuckt das Programm eine Reihe von Berufsbildern aus, die für den jeweiligen User passend erscheinen. „Die haben dann erst mal noch nichts mit der Deutschen Bahn zu tun“, sagt André Huneke, Recruiter für den Ausbildungsbereich der DB. Es sei ein erster Marker für die Berufsfindung. Hat die DB aber Ausbildungsstellen im Portfolio, die dem Profil des Jugendlichen entsprechen, sind auch die auf Knopfdruck ersichtlich.


Wer schon weiß, dass seine Karriere bei der DB starten soll, der findet weitere Möglichkeiten. So sind im Bereich „Backstage DB Events“ zahlreiche Einführungs- und Informationsveranstaltungen hinterlegt, wo sich Interessierte detaillierter über die einzelnen Berufsbilder bei der Deutschen Bahn informieren können. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Bei einem Fahrdienstleister-Camp beispielsweise, das in mehreren Städten angeboten wird, bekommen potenzielle Bewerber tiefere Einblicke in den Beruf, besichtigen unter anderem einen entsprechenden Betrieb, sprechen mit aktuellen Auszubildenden und Personalverantwortlichen und erhalten zahlreiche Informationen zu diesem Beruf. Wer handwerkliches Geschick und technisches Interesse besitzt, kann sich analog bei einem Technik- oder Gleisbaucamp anmelden und bekommt auch dort einen tiefen Einblick in den Beruf und spricht mit den richtigen Experten. Die unterschiedlichen Camps und Events werden laufend aktualisiert – das Reinschauen lohnt immer. Ebenfalls interessant: Das Programm „Chance Plus“. Hierbei handelt es sich um ein Angebot für Jugendliche, deren Bemühungen um einen Ausbildungsplatz bislang vergeblich waren. „Eine Art Jahrespraktikum“, erklärt Huneke, „bei dem man intensiv auf eine Berufsausbildung bei uns vorbereitet wird“. Praktische und theoretische Ausbildungsphasen wechseln sich ab, die Allgemeinbildung und Kenntnisse in Mathematik, Deutsch, Englisch oder in der EDV werden aufgefrischt, und ein zusätzliches Bewerbungs- und Kommunikationstraining hilft, die nächste Bewerbungsrunde erfolgreicher zu gestalten. „Programmteilnehmer, die sich mit entsprechendem Chance Plus-Empfehlungsschreiben bewerben, müssen unseren Online-Eignungstest nicht durchlaufen und haben somit den ersten Auswahlschritt gespart“, sagt Huneke. Das Resultat: Nach Angaben der DB schaffen 75 Prozent aller Jugendlichen, die an Chance Plus teilnehmen, direkt im Anschluss einen Berufseinstieg bei dem Konzern.

Egal, welche Beratungs- und Informationsangebote man als Schüler in Anspruch nimmt: Sie bringen einen weiter und unter Umständen durch die Bewerbungsphase. Und die Unternehmen bekommen Auszubildende, die nicht komplett bei Null anfangen müssen.


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