Geht gar nicht!



Vorsicht: Falle
auf Azubis lauern besonders zu Beginn viele Fettnäpfchen

Von Lea Sibbel


Die ersten Tage in einer Ausbildung können fies sein. Da hat man gerade seine Schule beendet und wagt die ersten Schritte im Berufsleben, und schon lauern reihenweise Fettnäpfchen. Wie spricht man wen an, wie verhält man sich am Arbeitsplatz und warum ist das so wichtig? Klar: Die Art des Umgangs ist in jedem Betrieb individuell. Dennoch gibt es einige Fehler, die man überall vermeiden sollte.


DER ERSTE AUFTRITT


Zu flapsig und jugendlich sollte man seinen allerersten Tag im neuen Unternehmen nicht gestalten. Es mag ja sein, dass auch die Kollegen eher jünger sind – aber auch die wollen anständig begrüßt werden, vom Chef ganz zu schweigen. Wer also mit einem lapidaren „Tach“, oder „Moin“ den Raum betritt, schießt sich selber ins Bein. Ein „Guten Tag“ ist absolute Pflicht, danach folgt der volle Name. Dass das vielen nicht so leicht fällt, weiß Regina Schäfer, die ein Buch über die sozialen Spielregeln für Azubis geschrieben hat. Schließlich wollen besonders Jugend-liche nicht altbacken oder gar spießig wahrgenommen werden … aber da müssen sie einfach durch. Nach der Begrüßung folgen am besten Sätze wie „Ich bin der neue Auszubildende in der Abteilung XY“ oder „Ich habe heute meinen ersten Tag und es freut mich, Sie kennenzulernen.“ Es mag gestelzt klingen
– aber für mehr individuellen Stil ist später immer noch Zeit. Eine Besonderheit betrifft das Händeschütteln: Hier sollte „die Initiative zum Handschlag immer vom Ranghöheren ausgehen“, sagt Etikette-Trainerin Agnes Jarosch. Also nicht einfach die Pranke ausstrecken: Abwarten ist die richtige Devise.


STOLPERFALLE TELEFON


Am Telefon lauern für neue Mitarbeiter viele Fallen – beson-ders für Auszubildende, die mit sämtlichen Vorgängen noch nicht vertraut sind. Ehrlich wäre natürlich, dieses auch zuzu-geben. Aber wer dann auf eine Kundenanfrage sagt, dass er keine Ahnung hat, stellt sich und dem gesamten Betrieb ein schlechtes Zeugnis aus. Dann lieber ausweichend antworten: „Ich kläre das gerne für Sie“ und sowohl das Anliegen als auch sämtliche Kontaktmöglichkeiten des Kunden notieren. Dann geht der Vorgang an den Kollegen oder den Chef.


STOLPERFALLE E-MAIL


Abkürzungen, Emoticons und jede Menge Smileys: „Junge Men-schen sind gewöhnt, sehr schnell und ohne zwingende Form zu kommunizieren“, sagt Agnes Jarosch. Auch geschliffene Formulierungen, korrekte Orthografie und anständiger Satzbau spielen bei Facebook & Co. keine allzu große Rolle. In berufli-chen Mails ist das aber anders. Dort sollten sich keine „lmao“ oder „lol“ einschleichen, auch keine Emoticons. Dazu natürlich die richtige Groß- und Kleinschreibung und Höflichkeitsformeln wie „Sehr geehrter Herr“ oder „Sehr geehrte Frau“.


STOLPERFALLE PRIVAT-HANDY


Die neuesten Infos aus dem Freundeskreis, Verabredungen für den Abend oder auch nur ein wenig Small Talk: Was im priva-ten Bereich passiert, gehört nicht zur Ausbildung. Am Arbeitsplatz bleibt das Handy am besten ausgeschaltet. „Arbeitszeit ist Arbeitszeit“, weiß Jarosch. Auch die stationäre Nutzung von Facebook, E-Mail-Konten oder Internetseiten, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, sollte man tunlichst vermeiden.


DIE HIERARCHIE


Büros sind gemeinhin Orte mit ungeschriebenen Gesetzen: Derjenige, der den letzten Kaffee nimmt, setzt neuen an. Und auch das Druckerpapier sollte man nicht in der Form plündern, dass der Nächste keines mehr vorfindet. Dann lieber eigen-ständig nachfüllen. Die meisten Kollegen halten sich ja eben-falls an diese Umgangsformen, das sorgt für ein harmonisches Miteinander. Auch sinnvoll: Bevor man sich an einen fremden Arbeitsplatz setzt oder eventuell die „heilige“ Lieblingstasse eines Kollegen für sich selber nutzt, lieber vorher fragen. So mancher Platzhirsch könnte derlei Verhalten krumm nehmen.


UNGELIEBTE ARBEITEN


Über nervige Tätigkeiten muss sich kein Azubi beschweren. Ob es nun darum geht, Schriftsätze für Andere zu kopieren, Briefe zu verschicken oder die Werkstatt zu fegen: Das gehört dazu. Zumal man am Anfang seiner Ausbildung auch noch nicht allzu viele Dinge kann. Wer darüber jammert, macht sich bei den Kollegen nicht gerade beliebt und man kann sogar Pluspunkte sammeln, indem man sich anbietet, derlei Aufgaben zu über-nehmen. „Man muss am Anfang erst einmal kleine Brötchen backen“, findet auch der Karriereberater Jürgen Hesse.


DIE ANDEREN AZUBIS


Andere Auszubildende sind einem immer näher als der Chef oder ältere Kollegen. Was aber nicht heißt, dass man sich ausschließ-lich nur mit ihnen abgeben sollte. „Es ist wichtiger, sich in das Team zu integrieren, in dem man arbeitet“, meint Regina Schäfer. Also nicht immer sofort in der Mittagspause an den Azubi-Tisch gehen, sondern vielleicht auch mal auf die Kollegen in der Kanti-ne zugehen und fragen, ob man sich dazu gesellen darf.


DIE ANDERE MEINUNG


Nach der ersten Woche im neuen Unternehmen oder dem Be-trieb hat man schon eine ungefähre Ahnung, mit wem man gut kann und welche Bereiche einem liegen. Auch erste Probleme könnten aufgetreten sein. Dann ist es Zeit für ein Feedback-Gespräch mit dem Chef, dem Ausbildungsleiter oder Kollegen. Eine Abwehrhaltung ist dabei allerdings falsch: Kommen nega-tive Punkte zur Sprache, sollte man diese Kritik annehmen und seine Lehren daraus ziehen. Schließlich liegen ja noch einige Jahre vor einem.

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