Ausbildungspendeln



Den Top-Job gibt es heute nicht unbedingt in der nahen Umgebung. Ausbildungspendeln kann eine Lösung sein – auch, wenn mit den Vor- ein paar Nachteile einhergehen.

Von Björn Wentz und Sven Schneider


Für Studenten oft normal, für die meisten Azubis undenkbar,
aber für viele absolut notwendig: das Pendeln. Wer in seiner eigenen Stadt keinen Ausbildungsplatz findet, sucht seine Chance in der Nachbargemeinde, einem anderen Landkreis oder sogar in einem anderen Bundesland. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung lassen sich alleine im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen rund 6,9 Prozent der Azubis in einem anderen Bundesland ausbilden, rund ein Drittel hat seine Lehrstelle in einer anderen Kreisstadt als dem Wohnort. Was für junge Auszubildende möglicherweise eine ungewohnte Situation darstellt, ist für Erwerbstätige längst Realität: Laut Statistischem Bundesamt legen allein in NRW rund vier Millionen Menschen Entfernungen von mindestens 25 Kilometern zurück, um zu ihrer Arbeitsstelle zu kommen – Tendenz steigend.

Eine derjenigen, die sich von größeren Entfernungen nicht abschrecken lassen, ist Vanessa Mayer aus Oberhausen. Für ihren Traumberuf als Mediengestalterin pendelt sie seit zwei Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Düsseldorf, wo sie in einer kleinen PR-Agentur auf das Berufsleben vorbereitet wird. „Das ist mitunter ganz schön zeit- und nervenaufreibend“, weiß die 20-Jährige. Jeden Morgen und jeden Abend legt sie rund 60 Kilometer zurück – doch die gute Verkehrsanbindung in Deutschlands Westen kommt ihr dabei zupass.


Knapp eine Stunde ist sie für jeden Dienstweg mit Bus und Bahn unterwegs – zusätzlich zu den acht bis neun Stunden Arbeitszeit geht somit fast der halbe Tag für ihren Traumjob drauf. Aber sie hat sich längst daran gewöhnt. „Es hört sich schlimmer an, als es tatsächlich ist“, sagt sie. „Das Pendeln gehört irgendwie dazu – und man erlebt auch eine Menge.“ Dass sie dadurch viel weniger Zeit für Hobbys, Freunde und Familie hat, nimmt sie dabei in Kauf – schließlich hat sie es sich so ausgesucht. Sie wollte eine Ausbildung machen, die ihr Spaß bereitet, und nicht etwas lernen, mit dem sie nichts anfangen kann – und da es in Oberhausen kein entsprechendes Angebot gab, zog es sie also in die Landeshauptstadt.

Dabei hat sie noch Glück gehabt: Viele müssen sich aufgrund der Entfernung im Ausbildungsort ein Zimmer oder eine Wohnung nehmen, denn: „Auch wenn die Bahn noch recht günstig ist, reißen die Ausgaben ein ganz schönes Loch ins Konto“, wie Mayer weiß, deren Eltern sie allerdings stark unterstützen und bei denen sie auch noch wohnt. Neben der finanziellen Unterstützung schätzt sie besonders die seelische: Von Anfang an seien Vater und Mutter in die Entscheidung eingebunden gewesen und hätten sie immer bei ihrem Lebensweg unterstützt.

Und auch von staatlicher Seite kommt Hilfe: Ein Urteil des Bundesfinanzhofs besagt, dass alle Fahrtkosten in voller Höhe von der Steuer absetzbar sind (siehe Kasten). Auch die Kosten für einen Zweitwohnsitz am Ausbildungsort sind unter Umständen absetzungsfähig, mitsamt den Ausgaben für die Einrichtung, Kfz-Stellplätze und noch mehr. Zudem gibt es für die ersten drei Monate am neuen Wohnort eine Verpflegungspauschale für jeden Tag, den man dort verbringt.

Unabhängig von Zuschüssen und Steuererleichterungen hat lohnt sich für Vanessa Mayer das tägliche Pendeln. Eine Übernahme durch den Ausbildungsbetrieb winkt. Ziel erreicht.

Pendeln füllt die Kasse auf

Eine einfache Fahrt zur Ausbildungsstätte kann über die Pendlerpauschale abgesetzt werden – das sind 30 Cent pro Kilometer. Ist der Betrieb 50 Kilometer vom Wohnort entfernt und man ist 140 Tage im Jahr dort, rechnet man wie folgt: 140 Tage x 50 Kilometer x 0,3 Euro. Das Ergebnis ist die Summe, die du von der Steuer absetzen kannst, nämlich 2100 Euro. Für den Weg zur Berufsschule können sogar Hin- und Rückfahrt abgesetzt werden. Ist die Berufsschule 35 Kilometer vom Zuhause entfernt, sieht die Beispielrechnung so aus: 60 Tage x 70 Kilometer x 0,3 Euro. Somit sind 1260 Euro von der Steuer absetzbar.

Interessiert? Hier steht das komplette Dokument zum Nachlesen zur Verfügung.

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